Happy Diwali, so wurde ich bei meinem ersten Besuch in Indien, in Ahmedabad begrüßt. Diwali entspricht so in etwa unserem Weihnachten und ist das Fest der Lichter. Es ist nicht an einem festen Datum, sondern richtet sich nach dem hinduisten Kalender und wird ebenso kompliziert nach den Mondphasen berechnet wie das chinesische Neujahrsfest. Hier im Nord-Westen Indiens wird dieses mit jeder Menge Feuerwerk zelebriert und fällt somit gleichzeitig mit dem Neujahrsfest zusammen. In diesem Jahr fiel das Diwalifest auf dem 17.10.2009.

Sonntag Morgen, endlich Zeit um mal vor das Hotel zu treten. Ich bin ja schon viel rum gekommen und habe so einiges erlebt, aber das hier ist nur was für echt hart gesottene. Ich glaube ja, die Kinder hier lernen gleich nach dem Laufen als zweite Geste alle fünf Fingerspitzen einer Hand zusammen zu legen und immer wieder zum Mund zu führen. Kaum ein paar Meter weit gekommen kommt eine Mutter mit ihrem Kind auf dem Arm auf mich zu und weist mit der geöffneten Handfläche immer wieder von mir zum Mund ihres Kindes. Ich hatte es schon nach kurzer Zeit aufgegeben zu zählen, wie oft ich angebettelt wurde.
Leider zwang mich Montezumas Rache nach einer Stunde wieder zurück in Hotel.

Montag, noch immer wird hier Diwali gefeiert. Daher ist die Druckerei zu und ich konnte meinen Kollegen Andreas überreden, mit mir in die Innenstadt Ahmedabads zu fahren. Warum das einiges an Überredungskunst bedurfte, habe ich dann später erst verstanden. So haben wir uns den Hotelmanager geschnappt und er hat vor dem Hotel ein TucTuc angehalten und dem Fahrer erklärt, wohin wir denn wollten. Wir also rein und das Abenteuer begann.
Nach einer halben Stunde fahrt, die Ohren inzwischen fast taub von dem geknatter des Zweitakters, was dem Gefährt seinen Charakteristischen Namen verlieh, haben wir den Fahrer links ran gebeten und sind ausgestiegen. Zu Fuß mehr oder weniger weit auf der Strasse, weil die "Fußwege" nicht begehbar waren, sind wir in die Marktstraßen abgetaucht. Immer wieder mussten wir uns den Bettlern erwehren, sind aber doch relativ unbehelligt vorangekommen. Die Eindrücke die ich machen konnte spiegeln sich auch ein wenig in den Bildern der Galerie wieder, der Staub, Lärm und Gestank natürlich nicht. Nach einer Stunde hat es uns gereicht und wir sind Richtung Fluss, also wieder Richtung Hotel gelaufen. Am Fluss habe ich auch die letzten beiden Bilder der Galerie gemacht, die mir den Rest gaben. Da wir mittlerweile auch gute 35°C hatten, blauer Himmel und Sonnenschein, haben wir uns das nächste TucTuc geschnappt und sind zurück zum Hotel.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich Euch viel Spaß beim Anschauen der Bilder wünschen soll, oder nicht lieber eine Warnung aussprechen sollte. Leider bringt es mein Job mit sich, auch in solche Gegenden reisen zu müssen.


Galerie 1: Ahmedabad im Herbst 2009

 


Natürlich konnte ich die Tour in die Innenstadt nicht auf sich beruhen lassen und so haben meine Kollegen und ich weiter recherchiert und eine der Hauptattraktionen Ahmedabads herausgefunden.
Wir also los zum Kankaria Lake ganz im Süd-Osten der Stadt. Als wir dort ankamen und unseren Eintritt von 10 Rupien (ca. 15 Eurocent) entrichtet hatten, kamen wir an einen kreisrunden See, dessen Uferbefestigungen erstaunlich reinlich und in einem scheinbar neuen Zustand waren, so dass es eigentlich nicht zum restlichen Äußeren der Stadt passen wollte. Es gab auch eine Eisenbahn, die Besucher rund im den See kutschierte. Zwischendrin verschwand sie in einem langen Zelt, in dem wohl so etwas wie eine Erdbebensimulation dargestellt wurde. Ich kann dieses nur vermuten, da wir nicht mit diesem Zug gefahren sind, nur eben in dieses Zelt rein gesehen hatten. Überhaupt machte dieser Park den Eindruck auf mich, als wenn man in den letzten paar Jahren versucht hat, hier so ein kleines Disneyland zu kreieren. Längs dieser Uferpromenade gab es nicht nur diese Zugsimulation, sondern auch diverse Fahrgeschäfte, Foodcorts, einen recht großen Zoo, ein Aquarium und auch so allerlei Dekorationen sowie alle paar Meter Mülleimer aus lustigen Figuren.

Zu diesem Ambiente passt eigentlich gar nicht die Story, die ich über den See erfahren konnte. Er wurde von Qutab-ud-din 1451 erbaut und besteht aus 34 geraden Seiten, die in einem leichten Winkel zum nächsten stehen und somit den Eindruck eines kreisrunden Sees vermittelt. In der Mitte dieses Sees befindet sich eine Insel namens Nadina Wadi, die von einer Seite aus mittels eines Damms zu erreichen ist. Von einem Besuch der Insel haben wir abgesehen, dafür sind wir in den Zoo gegangen. Hier war noch einmal Eintritt fällig, 10 Rupien für mich, 5 weitere für meine Kamera. Bilder aus dem Zoo habe ich in der zweiten Galerie integriert, um es aber vorweg zu nehmen, ich hatte schlimmeres erwartet. Die Tiere hatten zwar nicht den Auslauf, wie man ihn von westlichen Zoos her kennt, aber sie sahen alle sehr gut aus, was ich in meinen beiden Zoobesuchen in China nicht unbedingt behaupten konnte und eben auch nicht, wenn man sich das eigentliche Stadtgebiet und seine tierischen Bewohner so betrachtete.

Nun die Bilder zu diesem Trip, deutlich angenehmer anzusehen.


Galerie 2: Ahmedabad

 


Da ist noch was, was ich Euch erzählen muss. Jeden Tag fahre ich mit einem Taxiservice vom Kunden die rund 25Km pro Strecke zwischen dem Hotel und der Druckerei hin und her. Der längste Teil führt über eine "Autobahn", so jedenfalls wird diese zweispurige Strasse hier genannt. Was soll ich sagen, bei uns fährt über eine Autobahn, wer sich auch entsprechend zügig bewegen kann. Hier fährt, läuft und kriecht alles über die Autobahn, was sich überhaupt bewegen kann. Dazu zählen sogar auch Autos, aber auch Kamelkarren, Hunde, Kühe, Fußgänger und sonst noch so alles mögliche. Ach ja, Kreuzungsfrei ist die Autobahn zwischen den Kreuzungen aber auch.
Als ehemalige britische Kronkolonie hat sich Indien immerhin den Linksverkehr bewahrt, meistens jedenfalls. Also fährt derjenige, der schnell fahren will auf der rechten Spur und im übrigen auch alle anderen, die meinen schnell zu fahren. Will man nun schneller sein als der Vordermann, wird das mit wildem gehupe und Lichthupe angedeutet, in der Hoffnung, der Vorausfahrende weicht irgendwann mal nach links aus. Die linke Spur ist tatsächlich für die langsameren Teilnehmer am Straßenverkehr vorbehalten, was das nach links ausweichen jedesmal zu einem Vabanquespiel macht. Wie schon geschrieben kreucht und fleucht hier alles mögliche rum, im Dunkeln sogar unbeleuchtete Riesentrucks. Die Geräuschkulisse könnt ihr Euch ja sicher vorstellen. Außerdem sorgt dieses Fahrverhalten auch zu entsprechenden Unfällen. In den zwölf Tagen meines Pendelns habe ich vier tote Hunde, einen toten Menschen, zwei PKW mit Totalschaden und einen umgestürzten LKW gesehen.

Eine weitere Besonderheit habe ich während meiner Schulung des Kundenpersonals kennengelernt. Als ich nach einer ausführlichen Erklärung einer Funktion nachfragte, ob sie es verstanden hätten, erhielt ich ein Kopfschütteln als Antwort. Ok dachte ich mir, also nochmal von vorne. Nachdem ich nun ein zweites Mal geendet hatte, war die Antwort wieder ein Kopfschütteln, glücklicherweise begleitet von der Antwort "Yes". Nun war meine Verwirrung komplett, was der Kunde auch bemerkte und mich erst einmal erklärte, dass Kopfschütteln hier Ja bedeutet. Tja, andere Länder, andere Gesten.